Viele sehen den SV Affolterbach in der Kreisliga A als Aufstiegskandidaten. Trainer Sebastian Theobald hält davon trotz namhafter Verstärkungen wenig.
Affolterbach. Hört man sich in der Fußball-Kreisliga A um, gibt es kaum einen Trainer oder Funktionär, der ihn nicht auf seinem Zettel stehen hat: den SV Affolterbach. Die Überwälder gelten als einer der großen Favoriten auf den Aufstieg. Sebastian Theobald allerdings kann das überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich verstehe gar nicht, woher das kommt“, sagt der Trainer des SV.
Nun, in der abgelaufenen Saison lief Affolterbach als Fünfter ein, war zwischenzeitlich auf Tuchfühlung zu Aufstiegsrelegationsplatz zwei. Das Team ist nahezu komplett zusammengeblieben, hat mit Emil Smajic nur einen (verkraftbaren) Abgang zu verzeichnen, und sich im Gegenzug namhaft verstärkt.
Für Theobald ist das aber kein Grund, die Ambitionen nach oben zu schrauben. „Wir spielen im zweiten Jahr A-Liga und haben lange dafür gekämpft, überhaupt zurückzukehren“, verweist der 33-Jährige auf den Aufstieg 2025 nach zuvor vier Jahren in der B-Liga.
Mittelfristig könne man zwar schon „mal darüber nachdenken, den Aufstieg als Ziel auszugeben“, wählt der Trainer auch da vage Worte, der Leistungssprung in die Kreisoberliga sei aber ein großer, der Verein könnte mit der sportlichen Entwicklung nicht schritthalten. „Das wäre kein gesunder Schritt.“ Vielmehr soll es erneut unter die Top Fünf der A-Liga gehen.

Zwei Namen stechen bei den Neuzugängen des SV Affolterbach heraus
Einen Schritt zurück in die Heimat ist Fabio Sattler gegangen. Nach drei Jahren Gruppenliga mit der SG Wald-Michelbach zog es den Flügelflitzer zurück zu seinem Jugendverein. Dort bildet Sattler mit seinem jüngeren Bruder Nino nicht nur die neue Flügelzange, sondern soll als Führungsspieler vorangehen.
Zugezogen ist hingegen Paul Lawall, der bekannteste Name auf der Transferliste. Schließlich stand der 28-Jährige schon für Astoria Walldorf in der Regional- oder Unter-Flockenbach und VfR Mannheim in der Oberliga zwischen den Pfosten.
Die Hochzeit des 1,90-Meter-Hünen hat aber nicht nur seinen Wohnort, sondern auch die Position verändert: Lawall soll in Affolterbach Tore schießen, nicht verhindern. „Bis hierhin überzeugt er in der Vorbereitung“, bescheinigt ihm sein neuer Trainer durchaus Knipser-Potenzial.
Großes Potenzial und eine neue Nummer eins in Affolterbach
An seiner Seite soll der junge Stürmer Eldin Pudic den nächsten Schritt gehen. So wie überhaupt ein großer Teil des Kaders, in dem Theobald noch viel Potenzial sieht, der aber Jahr für Jahr verjüngt werden soll.
„Das steht an erster Stelle“, unterstreicht er vor seiner sechsten Saison als Trainer bei den Überwäldern und lässt mit fünf neuen Gesichtern aus der A-Jugend Taten folgen. Das Quintett soll in der anstehenden Spielzeit vermehrt an den Herrenbereich herangeführt werden.
Früher in die Verantwortung genommen, wird dagegen Luis Alejandro Delgado Brill: Der Neuzugang von der TSG Weinheim II soll noch bis in den Herbst von Routinier Toni Cosic lernen, dann verlagert der langjährige Stammkeeper des SV seinen Lebensmittelpunkt nach Österreich.

Drei langzeitverletzte Säulen beim SV Affolterbach
Die traditionell junge Mannschaft in Affolterbach bleibt von den traditionellen Problemen einer jungen Mannschaft aber nicht verschont. Mangelnde Konstanz hat den SV in der abgelaufenen Saison um den großen Wurf gebracht. „Wir hatten zu Saisonbeginn und nach der Winterpause eine Delle drin“, verweist der Trainer auf die zwei Durststrecken, in denen sein Team auf Rang 13 beziehungsweise acht abgestürzt war.
Auch bedingt durch viele Ausfälle auf Schlüsselpositionen – die sich noch bis in die kommende Spielzeit ziehen. Kapitän Sören Gölz soll noch vor der Winterpause zurückkehren, die beiden Mittelfeldmänner Nico Maass und Daniel Konstantinov können erst in 2027 wieder einsteigen.
Versteckspiel in der Kreisliga A: Keiner will Favorit sein
Mit demselben Verletzungspech hatte nach Ansicht des SV-Trainers auch die SG Brandau/Gadernheim zu kämpfen. Den Vierten der Vorsaison zählt Theobald aufgrund seiner individuellen Klasse zu den Aufstiegsfavoriten.
Genauso wie seinen Ex-Verein FC Ober-Abtsteinach, wo Theobald in der zweiten Garnitur in C- und D-Liga selbst aktiv war, und die „super Transfers mit mehreren Spielern mit höherklassiger Erfahrung“ getätigt hätten. Zum Favoritenkreis zählen sie sich in der Nachbargemeinde aber genauso wenig wie in Affolterbach.
Dasselbe Spiel im Tal, wo die TG Jahn Trösel kein Wort über den Aufstieg verliert. So richtig aus der Deckung wagt sich vor der Saison keiner der Bergsträßer A-Ligisten.
Quelle: Odenwälder Zeitung 18.07.2026 / Nicolai Lehnort / Bilder: Philipp Reimer Fotografie, Fritz Kopetzky, SV Affolterbach









