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„Finten“ beim Elfmeter sind erlaubt

Die alte Schule: „Anlaufen und reinmachen“. Odenwälder Spieler zeigen sich von „Finten“ beim Elfmeter wenig begeistert / Für den Torhüter wird es noch schwieriger / Kein Fair-play-Gedanke

Auf den Punkt gebracht: Michael Klieber von der SG Affolterbach/Wahlen schießt einen Elfmeter schnörkellos. Ab sofort dürfen die Schützen aber beim Anlauf verzögern und sogar ganz abstoppen. Bild: Archiv

Odenwald. Die „Angst des Torwartes vor dem Elfmeter“ - sie könnte ab sofort noch größer werden. Denn nach einer Regeländerung der FIFA müssen Elfmeterschützen nun nicht mehr „durchlaufen“, sondern können sich auf dem Weg zum Ball einiges einfallen lassen. Täuschen, tricksen und fintieren ist erlaubt. Wir hörten bei Elfmeterschützen und Schlussmänner im Odenwald nach. Benjamin Hien, schießt beim Verbandsligisten Eintracht Wald-Michelbach die Elfmeter: „Von der neuen Regel habe ich noch nichts gehört. Aber ich bin einer von der alten Schule: Anlaufen und reinmachen. Bisher hat das auch gut geklappt.“ Sebastian Gießke, Torhüter des SV Fürth: „Ich bin ein Torhüter, der sehr lange stehen bleibt und schaut, was der Schütze macht. Ich denke, dass diejenigen, die sich gleich in eine Ecke werfen, etwas umstellen müssen. Für uns Torhüter ist die neue Regel ein Nachteil, aber immerhin können wir ja auch ein wenig auf der Linie herumhampeln - aber dürfen diese nicht verlassen. Ich kenne in der Kreisoberliga zwei drei Leute, die - ähnlich wie der Uruguayer Abreu bei der WM - einen Heber in die Mitte versuchen. In diese Richtung geht die neue Regel. Das kann aber provozieren.“ Marc Renzland, TSV Weiher: „Ich suche mir vorher eine Ecke aus, verzögere dann etwas beim Anlauf und versuche den Ball platziert und flach mit Schmackes reinzuhauen. Aus meiner Erfahrung ist das besser, als den Ball hoch unter die Latte zu schießen, weil der Torwart dann noch eher drankommen kann. Finten beim Elfmeter muss man erst einmal üben. Wenn der Ball reingeht, sieht es mitunter gut aus - wenn der Torwart aber hält, ist man der Dumme.“ Christoph Henn, SV Unter-Flockenbach: „Eine kleine Unterbrechung beim Anlauf hatte man sowieso schon meistens drin. Ich kann mir vorstellen, dass eine Finte doof aussieht - vor allen Dingen, wenn der Ball nicht reingeht. Ecke raussuchen und reinschießen, so mache ich das. Man darf nicht groß überlegen oder sich umentscheiden. Für wen die neue Regel gemacht ist, weiß ich nicht. Aber das ist ja oft so bei Neuerungen.“ Kai Arras, Torhüter Eintracht Wald-Michelbach: „Eine Verzögerung beim Anlauf wurde bereits bis an die Grenze des Möglichen ausgekostet. Umso willkommener war es für uns Torhüter, wenn ein Schütze auch einmal zurückgepfiffen wurde. Es ist immer schwierig, den richtigen Punkt zum Absprung zu finden, damit man nicht frühzeitig verladen wird. Das wird sicherlich noch schwerer für uns. Wir können uns zwar auf der Linie bewegen, um zu irritieren, aber der Vorteil wurde jetzt wieder an den Schützen zurückgegeben. Warum solche Regeländerungen gemacht werden, kann ich nicht erklären. Es gibt im Fußball sicherlich andere Baustellen.“ Steffen Emig, SG Unter-Abtsteinach: „Ich bin kein Torwart, von daher ist es mir egal. Als Torwart würde mich das aber stören. Ich mache ein Haifelche und schieße den Ball vollspann unter die Latte. Wenn jemand in der Bundesliga eine Finte macht, dann werden das viele in den Kreisligen nachahmen wollen. Das ist einfach so, das sieht man ja schon am Torjubel oder den grünen Fußballschuhen. So etwas hat es früher nicht gegeben. “ Dominik Sobolewski, Torhüter SG Mitlechtern/Lörzenbach: „Wenn ein Schütze jetzt verzögern darf, hat er noch einen Vorteil. Irgendwann muss sich der Torwart für eine Ecke entscheiden. Ich warte lange und hoffe, dass der Schütze nicht abstoppt. Ansonsten achte ich auf das Standbein, denn wohin das zeigt, schießt er auch meistens hin. Das ist meine Erfahrung.“ Mohammad Hodroj, Spielertrainer des SV Fürth: „Für den Torwart ist das doch grausam, wenn ein Spieler drei- oder viermal abstoppt. Aber ich glaube, dass auch die anderen Spieler irritiert werden und in den Strafraum reinlaufen, bevor der Ball gespielt ist. Für den Schiedsrichter ist das schon jetzt schwer zu überblicken und wird noch schwerer werden. Es wird sicherlich zu Diskussionen führen. Wer am Punkt steht, muss so stark und selbstbewusst sein, dass er sich keine Gedanken macht.“ Florian Kneißl, FC Fürth: „Man hat schon öfters gesehen, dass die Spieler beim Elfmeter abstoppen. Ich komme dadurch aber nur aus dem Tritt und schieße weiter nach der alten Schule. Durchlaufen und dann flach ins linke oder rechte Eck. Im Fußball wird immer der Fair-play-Gedanke angeführt. Ein Abstoppen und den Torwart täuschen, gehört meiner Meinung nicht dazu.“ Patrick Gräber, Torhüter der SG Unter-Abtsteinach: „Die Regeländerung macht mir nichts aus. Ich bleibe so lange stehen, bis geschossen wird. Es war doch sowieso schon der Fall, dass fast alle Schützen abstoppen. Cristiano Ronaldo beispielsweise verzögert immer. Auf der anderen Seite verlassen auch die Torhüter die Linie früher als erlaubt. Tim Wiese macht oft erst einen Schritt nach vorn und springt dann. Florian Hönninger, Torwart des FC Fürth: „Wenn der Schütze abbrechen darf und man liegt dann schon in der falschen Ecke, können sicherlich in entscheidenden Spielen auch die Emotionen hoch gehen. beg

 

Der richtige Punkt zum Absprung: Kai Arras (ET Wald-Michelbach) hat ihn gefunden.

Regeländerungen: „Finten“ beim Elfmeter sind erlaubt

Für die Fußball-Saison 2010/2011 stehen keine gravierenden Regeländerungen an. Grundsätzlich hat die FIFA aber vor der WM einige kleinere Anweisungen neu formuliert, darauf weist der hessische Verbandslehrwart Ralf Viktoria hin.

Eine Neuerung gibt es beim Strafstoß: Hier hat die FIFA klargestellt, das „Finten“ zum Fußball dazugehören. Beim Anlauf ist es dem Schützen somit gestattet, mit entsprechenden Bewegungen auf dem Weg zum Ball den Torhüter zu täuschen.


Der Schütze muss somit den Anlauf nicht mehr in einem Zug durchführen. Er darf sogar abstoppen. Ist das Standbein aber neben dem Ball ist keine Täuschung mehr erlaubt. Jetzt muss der Strafstoß in einem Zuge durchgeführt werden. Ein Verzögern, Abwarten oder absichtliches Verfehlen des Balles ist verboten und muss im Falle eines Regelverstoßes durch den Schützen mit einer Verwarnung geahndet werden. Die Spielfortsetzung richtet sich hier nach der Wirkung des ausgeführten Strafstoßes.


Nach einem Zusammenprall (und nur dann) von Spielern einer Mannschaft müssen diese Spieler das Feld nach der Behandlung nicht verlassen. Hier soll der Schiedsrichter auch sofort reagieren. Die Betreuer sollen direkt hereingerufen werden. Eine Befragung der Spieler, ob eine Behandlung gewünscht wird, soll hier nicht erfolgen.


Hier hat die FIFA die bisherige Regelung erweitert, aber auch präzisiert. Bislang durfte der Mitspieler nur auf dem Feld bleiben, wenn zugleich der Torwart behandelt werden musste. Ab sofort muss der Torwart nicht mehr zwingend mit dabei sein, die beiden Mitspieler müssen aber zusammenprallen, können sich also nicht unabhängig voneinander behandeln lassen, um ein Verlassen des Feldes nach Behandlung auf dem Feld zu umgehen.


Eine rein hessische Neuerung betrifft den Gebrauch der Signalkarten im Juniorenbereich. Bei den C-Junioren werden in allen hessischen Spielklassen die Signalkarten eingeführt. Wie bei den A- und B-Junioren finden dann die gelbe Verwarnungskarte, die Fünf-Minuten-Zeitstrafe sowie die Rote Karte Anwendung. Gelb-Rot gibt es im Juniorenbereich weiterhin nicht.


Diese Regeländerungen haben seit dem 1. Juli 2010 in allen Klassen des HFV Gültigkeit.

 

Quelle: www.wnoz.de